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Die Qualwahl - eine Freundin wählt, was für mich unwählbar ist

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V erspult, verwirrt, verheddert, so fühle ich mich. Ein Mensch, den ich mag, dessen Weisheit und Güte ich schätze, ein Mensch mit mir im 12-Schritte-Programm, eine Reisegefährtin auf dem Genesungsweg trifft eine Entscheidung, die mich schockiert, mitten ins Herz trifft, verwirrt und in Ratlosigkeit zurücklässt. Meine erste Reaktion war, wir nehmen uns Zeit und lassen uns gegenseitig teilhaben, wie unsere Sichtweisen zustandekamen, die sich im größten denkbaren Widerspruch gegenüberstehen. Dann haben mich meine Gefühle eingeholt, ich musste anfangen, den Schock, die Niedergeschlagenheit und den Ärger zu verdauen. Ich bin in diesen Wochen ohnehin erschöpft und deprimiert. Selbst leichtere Alltagslasten bekommen eine Schwere, die sie nicht von Natur aus haben. Gerade jetzt fehlen mir Seelenruhe und Energie. Meinem Anspruch, einen Dialog zu führen, der ohne Bewertungen auskommt und in den weder Besserwisserei noch selbstgerechte Empörung einfließen, dem kann ich nicht genügen. Das schaffe ...

Der 7. Schritt - wer repariert mich denn jetzt?

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Da ich kein Pannenfahrzeug im Vereinigten Königreich bin, kann ich nicht in einer Wartezone am Straßenrand liegen bleiben und gemütlich auf ein Mechanikerteam warten. Schade eigentlich!   Meine eigenen Pannen und deren Ursachen habe ich in den Schritten 4 und 5 gründlich erforscht, habe Lösungsansätze aufgeschrieben und das alles ehrlich und rückhaltlos mit meiner Sponsorin geteilt.  Im 6. Schritt habe ich meine Bereitschaft für einen tiefgreifenden Wandel gespürt und ausgesprochen. Mir ist klar geworden, dass meine Unzulänglichkeiten nicht einfach verschwinden, nur weil ich bereit bin, sie loszulassen. Und was heißt das überhaupt, das vielzitierte Loslassen? Ich fürchte, das habe ich nie verstanden. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, mich von unerwünschten Gefühlen, verdrehtem Denken und schädlichen Verhaltensweisen zu befreien. Wenn ich das könnte, hätte ich meine Essstörung schon längst beseitigt.   Im 7. Schritt bitten wir demütig darum, dass Gott unsere Unzulän...

Wie geht Verzeihen? Teil 3: Meiner Mutter

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  Liebe Mama, heute wäre Dein Geburtstag, und Du wärst 82 Jahre alt. Kaum vorstellbar für mich, denn in meiner Erinnerung bist Du nicht viel älter als ich heute bin, wenn ich an die letzten Momente Deines Lebens denke: Meine Hand liegt unter Deiner. Du machst immer längere Pausen zwischen Deinen Atemzügen. Dann kommt keiner mehr. Es ist vorbei – Du hast es geschafft.  Oliver und Sabine sind bei mir. Still bleiben wir an Deinem Bett sitzen. Mir kommt es vor, als ließen wir Deine Seele ziehen. Wir lassen die Zeit stillstehen und geben erst eine Stunde später dem Personal Bescheid. Wir drei sind es, die Dich entkleiden und waschen, letzte, liebevolle Berührungen. Es ist tief in der Nacht, als Oliver das Laken über Dich breitet und zum Schluss mit großer Zartheit Dein Gesicht bedeckt. Ein paar Wochen später setzen wir Deine Asche im Friedwald bei, ein Wunsch von Dir. Es entsteht ein entzückendes Foto: Deine drei Enkelkinder sitzen aufgereiht auf Olivers altem Motorrad und blic...

Immer schön auf Abstand - Mein inneres Kind und ich

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Mein inneres Kind zu umarmen, das sei die nächste Stufe, erklärt mir meine Therapeutin. Ich habe das Gefühl, das könnte ein längerer Weg werden und bin ratlos, wie ich ihn finden kann und unsicher, ob ich das möchte: Die Idee, meinem verletzten, traurigen und wütenden inneren Kind zu begegnen macht mir Angst. Am meisten fürchte ich den völligen Kontrollverlust, wenn ich dieses unberechenbare Wesen in mir freilasse.  Kontrollverlust ist der pure, alles Lebendige erstickende Horror für mich: Als Kind habe ich ihn erlebt durch gewalttätige, sexuell übergriffige und nicht beschützende Erwachsene. Als Patientin im Krankenhaus, wenn ich durch Unfall und schwere Krankheit vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen war. Als Alkoholabhängige erlebte ich Kontrollverluste als schlimme und wiederkehrende Folge meiner Sucht, wenn ich nicht mehr wusste, was ich getan, gesagt oder betrunken jemandem geschrieben hatte. Wenn ich mich so benahm, wie Betrunkene es tun: aggressiv oder gleichgültig, hemmun...